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Biometrie ist die Ausnahme, nicht die Technik der Wahl
Ein Fingerabdruck ist ein biometrisches Datum zur eindeutigen Identifizierung und fällt damit unter Art. 9 Abs. 1 DSGVO. Die Verarbeitung solcher Daten ist grundsätzlich untersagt und nur zulässig, wenn einer der Ausnahmetatbestände greift.
Im Beschäftigungsverhältnis kommt vor allem Art. 9 Abs. 2 Buchstabe b DSGVO in Betracht, zusammen mit § 26 Abs. 3 BDSG. Beides verlangt eine Erforderlichkeit, und genau daran scheitert die Zeiterfassung: Sie lässt sich mit Karte, Chip, PIN oder App ebenso erreichen.
Das Arbeitsgericht Berlin hat am 16.10.2019 entschieden (29 Ca 5451/19), dass eine Zeiterfassung per Fingerabdruck ohne Einwilligung nicht erforderlich und damit unzulässig ist. Eine Abmahnung wegen der Weigerung, das System zu nutzen, musste aus der Personalakte entfernt werden.
Warum die Einwilligung selten hilft
Theoretisch ist eine Einwilligung möglich (Art. 9 Abs. 2 Buchstabe a DSGVO, § 26 Abs. 2 BDSG). Praktisch trägt sie im Arbeitsverhältnis fast nie: Sie muss freiwillig sein, und Freiwilligkeit setzt eine echte Wahl ohne Nachteil voraus. Wer nur mit dem Finger stempeln kann, hat keine.
Dazu kommt, dass eine Einwilligung jederzeit widerruflich ist. Ein System, das für einen Teil der Belegschaft nicht funktioniert, weil sie widerrufen hat, braucht ohnehin einen zweiten Weg, und dann ist der zweite Weg der einzig nötige.
Der Betriebsrat hat bei der Einführung mitzubestimmen (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG), und die Verarbeitung besonderer Kategorien verlangt regelmäßig eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO.
Was stattdessen funktioniert
Jede dieser Varianten erfüllt die Aufzeichnungspflicht, ohne besondere Kategorien personenbezogener Daten zu verarbeiten.
| Weg | Wofür er passt | Was zu bedenken ist |
|---|---|---|
| Karte oder Schlüsselanhänger am Terminal | Produktion, Handwerk, Praxen: überall, wo nicht jede Person ein Diensthandy hat. | Eine verlorene Karte wird gesperrt und neu zugeordnet. Der Vorgang gehört ins Protokoll. |
| PIN am Terminal | Als zweiter Weg, wenn die Karte fehlt. | PINs werden weitergegeben. Als alleiniger Weg deshalb nur mit klarer Regel. |
| App auf dem eigenen oder dem Diensthandy | Außendienst, Baustelle, Homeoffice. | Ein Standort ist dafür nicht nötig und sollte nicht erhoben werden. |
| Weberfassung am Arbeitsplatz | Büro und Wissensarbeit. | Der einfachste Weg, wenn ohnehin am Rechner gearbeitet wird. |
Karte oder Schlüsselanhänger am Terminal
- Wofür er passt
- Produktion, Handwerk, Praxen: überall, wo nicht jede Person ein Diensthandy hat.
- Was zu bedenken ist
- Eine verlorene Karte wird gesperrt und neu zugeordnet. Der Vorgang gehört ins Protokoll.
PIN am Terminal
- Wofür er passt
- Als zweiter Weg, wenn die Karte fehlt.
- Was zu bedenken ist
- PINs werden weitergegeben. Als alleiniger Weg deshalb nur mit klarer Regel.
App auf dem eigenen oder dem Diensthandy
- Wofür er passt
- Außendienst, Baustelle, Homeoffice.
- Was zu bedenken ist
- Ein Standort ist dafür nicht nötig und sollte nicht erhoben werden.
Weberfassung am Arbeitsplatz
- Wofür er passt
- Büro und Wissensarbeit.
- Was zu bedenken ist
- Der einfachste Weg, wenn ohnehin am Rechner gearbeitet wird.
Gesichtserkennung ist derselbe Fall
Was für den Fingerabdruck gilt, gilt für jedes Gesichtsbild zur Identifizierung ebenso: Es ist ein biometrisches Datum nach Art. 9 DSGVO. Ein Terminal mit Kamera, das Personen erkennt, verarbeitet damit eine besondere Kategorie personenbezogener Daten und braucht dieselbe Rechtfertigung, die bei der Zeiterfassung regelmäßig fehlt.
Wer ein solches System betreibt, braucht eine Datenschutz-Folgenabschätzung, eine Mitbestimmung des Betriebsrats und eine belastbare Rechtsgrundlage. Wer es nicht betreibt, braucht nichts davon.
Das ist keine Rechtsberatung, bei einem konkreten Fall im Betrieb fragst du besser jemanden mit Zulassung.
Herausgeberin: AMNAU GmbH
Redaktionell verantwortlich: Ugur Aydogan, Produktentwicklung.
Zuletzt fachlich geprüft: 15. September 2026