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Zwei Fragen, die getrennt gehören
Die Frage „ist das Arbeitszeit" hat zwei Antworten, weil sie zwei Gesetze betrifft. Arbeitszeit im Sinn des Arbeitszeitgesetzes ist die Zeit von Beginn bis Ende der Arbeit ohne Ruhepausen (§ 2 Abs. 1 ArbZG); daran hängen Höchstarbeitszeit, Ruhezeit und Aufzeichnungspflicht. Arbeitszeit im Sinn der Vergütung richtet sich nach dem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung.
Beides fällt oft, aber nicht immer zusammen. Eine Reisezeit kann Arbeitszeit sein und trotzdem mit dem Gehalt abgegolten, und sie kann vergütet werden, ohne auf die Höchstarbeitszeit anzurechnen.
Was zählt und was nicht
Die Linie verläuft entlang der Frage, in wessen Interesse die Zeit aufgewendet wird und ob sie auf Weisung erfolgt.
| Fall | Arbeitszeit nach ArbZG | Begründung |
|---|---|---|
| Weg von zu Hause zum festen Betrieb | nein | Wegezeit, sie fällt in den privaten Bereich. Ausnahme: der Betrieb ordnet einen Sammeltransport an. |
| Fahrt zwischen zwei Einsatzorten am selben Tag | ja | Sie geschieht ausschließlich im betrieblichen Interesse. |
| Fahrt zum ersten Kunden bei wechselnden Einsatzstellen | ja | Ohne festen Arbeitsort beginnt die Arbeit mit der Fahrt. Der EuGH hat das 2015 für Außendienst entschieden (C-266/14). |
| Selbst fahren auf einer Dienstreise | ja | Das Steuern des Fahrzeugs ist die geschuldete Tätigkeit, es gibt keine freie Verfügung über die Zeit. |
| Als Beifahrer oder im Zug mitfahren | in der Regel ja | Auf Weisung und fremdnützig. Ob zusätzlich zu vergüten, richtet sich nach Vertrag oder Tarif. |
| Fahrt zur Baustelle mit vorgeschriebenem Treffpunkt | ja ab dem Treffpunkt | Ab dem Punkt, den der Betrieb vorgibt, ist die Zeit fremdbestimmt. |
Stand 15.09.2026. Ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung kann Günstigeres regeln, aber die Grenzen des ArbZG nicht unterschreiten.
Weg von zu Hause zum festen Betrieb
- Arbeitszeit nach ArbZG
- nein
- Begründung
- Wegezeit, sie fällt in den privaten Bereich. Ausnahme: der Betrieb ordnet einen Sammeltransport an.
Fahrt zwischen zwei Einsatzorten am selben Tag
- Arbeitszeit nach ArbZG
- ja
- Begründung
- Sie geschieht ausschließlich im betrieblichen Interesse.
Fahrt zum ersten Kunden bei wechselnden Einsatzstellen
- Arbeitszeit nach ArbZG
- ja
- Begründung
- Ohne festen Arbeitsort beginnt die Arbeit mit der Fahrt. Der EuGH hat das 2015 für Außendienst entschieden (C-266/14).
Selbst fahren auf einer Dienstreise
- Arbeitszeit nach ArbZG
- ja
- Begründung
- Das Steuern des Fahrzeugs ist die geschuldete Tätigkeit, es gibt keine freie Verfügung über die Zeit.
Als Beifahrer oder im Zug mitfahren
- Arbeitszeit nach ArbZG
- in der Regel ja
- Begründung
- Auf Weisung und fremdnützig. Ob zusätzlich zu vergüten, richtet sich nach Vertrag oder Tarif.
Fahrt zur Baustelle mit vorgeschriebenem Treffpunkt
- Arbeitszeit nach ArbZG
- ja ab dem Treffpunkt
- Begründung
- Ab dem Punkt, den der Betrieb vorgibt, ist die Zeit fremdbestimmt.
Stand 15.09.2026. Ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung kann Günstigeres regeln, aber die Grenzen des ArbZG nicht unterschreiten.
Vergütung: was das BAG dazu sagt
Für die Bezahlung gilt der Grundsatz, dass Reisezeiten, die im Interesse des Arbeitgebers anfallen, wie Arbeit zu vergüten sind, soweit nichts anderes vereinbart ist. Das Bundesarbeitsgericht hat das für Auslandsentsendungen ausdrücklich bestätigt (Urteil vom 17.10.2018, 5 AZR 553/17): erforderliche Reisezeiten zur auswärtigen Arbeitsstelle sind grundsätzlich wie Arbeit zu vergüten.
Eine vertragliche Abrede kann die Vergütung abweichend regeln, etwa pauschal oder mit einem geringeren Satz. Sie darf den Mindestlohn aber nicht unterschreiten: Über alle Stunden hinweg muss der Durchschnitt stimmen.
Was das für die Aufzeichnung heißt
Was Arbeitszeit im Sinn des ArbZG ist, gehört in die Aufzeichnung. Damit zählt Reisezeit auf die acht Stunden werktäglich und auf die elf Stunden Ruhezeit, und sie kann eine Fahrt am Vorabend arbeitsrechtlich unmöglich machen.
Praktisch heißt das: Fahrten brauchen eine eigene Erfassungsart, sonst stehen sie entweder gar nicht in den Aufzeichnungen oder sie stecken unsichtbar in der Projektzeit. Beides fällt erst auf, wenn jemand nachrechnet.
Das ist keine Rechtsberatung, bei einem konkreten Fall im Betrieb fragst du besser jemanden mit Zulassung.
Herausgeberin: AMNAU GmbH
Redaktionell verantwortlich: Ugur Aydogan, Produktentwicklung.
Zuletzt fachlich geprüft: 15. September 2026