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Die entscheidende Frage: wer hat es verursacht
Wer aus eigenem Entschluss früher geht, weniger arbeitet oder einen Gleittag nimmt, baut Minusstunden auf, die er ausgleichen muss. Das setzt eine Vereinbarung voraus, die das Konto und den Ausgleich regelt.
Fehlt dagegen Arbeit, weil der Betrieb keine hat, trägt er das Risiko. § 615 BGB nennt das Annahmeverzug: Der Vergütungsanspruch bleibt bestehen, und die ausgefallene Zeit darf nicht als Minusstunden gebucht werden. Dasselbe gilt bei Betriebsstörungen, ausbleibendem Material oder abgesagten Aufträgen.
Was nie zu Minusstunden führt
Krankheit, Urlaub und gesetzliche Feiertage. Für diese Tage wird die Sollzeit gutgeschrieben, weil das Entgeltfortzahlungsgesetz und das Bundesurlaubsgesetz die Vergütung anordnen. Wer sie als Fehlzeit bucht, erzeugt ein Minus, das der Betrieb selbst verursacht hat.
Ebenfalls nicht: angeordnete Kurzarbeit, Freistellung durch den Arbeitgeber und Zeiten eines Beschäftigungsverbots.
Verrechnung mit dem Gehalt
Ein Abzug vom laufenden Gehalt wegen Minusstunden ist nur zulässig, wenn eine wirksame Vereinbarung besteht und die Stunden von der Person zu vertreten sind. Die Pfändungsfreigrenzen aus § 850c ZPO sind dabei einzuhalten.
Beim Austritt gilt dasselbe: Ein negativer Saldo darf nur einbehalten werden, wenn er auf eigenen Entscheidungen beruht und die Vereinbarung das vorsieht.
Beispiel: zwei Wochen ohne Aufträge
- Sollzeit im Monat: 160 Stunden.
- Geleistet: 118 Stunden, davon 42 Stunden Ausfall wegen fehlender Aufträge.
- Zulässiger Saldo: 0 Stunden. Die 42 Stunden trägt der Betrieb nach § 615 BGB.
- Nur selbst genommene Gleittage hätten ein Minus ergeben dürfen.
Häufiger Fehler
Auftragsflaute wird ins Zeitkonto geschrieben, damit sie „später nachgearbeitet" wird. Das verschiebt das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten und hält vor Gericht nicht.
Das ist keine Rechtsberatung, bei einem konkreten Fall im Betrieb fragst du besser jemanden mit Zulassung.
- § 615 Satz 1 BGB
- „Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein.“
Herausgeberin: AMNAU GmbH
Redaktionell verantwortlich: Ugur Aydogan, Produktentwicklung.
Zuletzt fachlich geprüft: 2. September 2026