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Zeiterfassung im Handwerk: welches Gewerk was aufzeichnen muss

Kurz gesagtZeiterfassung ist im Handwerk Pflicht, seit dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022 in jedem Gewerk. Wer Bauleistungen erbringt, etwa Elektro, Maler, Dachdecker oder Gerüstbau, und das Friseurhandwerk müssen nach § 17 MiLoG Beginn, Ende und Dauer binnen sieben Tagen aufzeichnen und zwei Jahre aufbewahren. Für Minijobber gilt das in jedem Gewerk. Azubis unter 18 haben eigene Grenzen.
Stand: November 20263 Minuten Lesezeit§ 17 Mindestlohngesetz (Aufzeichnungspflicht) · § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (Branchenliste)
Inhalt
  1. Welches Gewerk was aufzeichnen muss
  2. Wann die Fahrt zum Kunden Arbeitszeit ist
  3. Azubis unter 18
  4. Wie oft der Zoll im Handwerk prüft
  5. Zeiten auf den Auftrag buchen

Welches Gewerk was aufzeichnen muss

Die Erfassungspflicht gilt seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 für jeden Arbeitgeber, eine Form ist heute nicht vorgeschrieben. Strenger wird es für Gewerke, die in der Liste des § 2a SchwarzArbG stehen: Dort verlangt § 17 MiLoG die Aufzeichnung von Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit bis zum Ablauf des siebten Kalendertags. Die Liste nennt das Baugewerbe und das Friseur- und Kosmetikgewerbe, aber zum Beispiel nicht Bäckereien oder Tischlereien. Das Fleischerhandwerk ist dort ausdrücklich ausgenommen.

Ob ein Handwerksbetrieb zum Baugewerbe zählt, hängt davon ab, ob er Bauleistungen erbringt. Elektro-, Sanitär-, Maler-, Dachdecker- und Gerüstbaubetriebe tun das häufig, ein Elektriker, der nur Geräte in der Werkstatt repariert, eher nicht. Die Pflicht nach § 17 MiLoG entfällt nach § 1 MiLoDokV für Beschäftigte über 4.461 Euro brutto im Monat, oder über 2.974 Euro, wenn dieses Entgelt nachweislich die letzten vollen zwölf Monate gezahlt wurde, und für mitarbeitende Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Kinder und Eltern des Inhabers.

Aufzeichnungspflicht nach Gewerk

GewerkWas aufzuzeichnen istVorschrift
Bau und Ausbau, soweit Bauleistungen erbracht werden, häufig Elektro, Sanitär, Maler, Dachdecker, GerüstbauBeginn, Ende, Dauer für alle Beschäftigten bis zum 7. Kalendertag, 2 Jahre aufbewahren, Ausweis mitführen§ 17 MiLoG, § 2a Abs. 1 Nr. 1 SchwarzArbG
Friseur und Kosmetikwie oben§ 17 MiLoG, § 2a Abs. 1 Nr. 11 SchwarzArbG
Bäckerei, Tischlerei, Fleischerei und anderegesamte Arbeitszeit, keine Form vorgeschrieben; über 8 Stunden je Werktag 2 Jahre aufbewahrenBAG 1 ABR 22/21, § 16 Abs. 2 ArbZG
Minijobber in jedem GewerkBeginn, Ende, Dauer bis zum 7. Kalendertag, 2 Jahre aufbewahren§ 17 Abs. 1 MiLoG

Ausnahmen nach § 1 MiLoDokV für hohe Monatsentgelte und mitarbeitende enge Familienangehörige. Gilt für ein Gewerk ein Branchenmindestlohn, kommt § 19 AEntG hinzu.

  • Bau und Ausbau, soweit Bauleistungen erbracht werden, häufig Elektro, Sanitär, Maler, Dachdecker, Gerüstbau

    Was aufzuzeichnen ist
    Beginn, Ende, Dauer für alle Beschäftigten bis zum 7. Kalendertag, 2 Jahre aufbewahren, Ausweis mitführen
    Vorschrift
    § 17 MiLoG, § 2a Abs. 1 Nr. 1 SchwarzArbG
  • Friseur und Kosmetik

    Was aufzuzeichnen ist
    wie oben
    Vorschrift
    § 17 MiLoG, § 2a Abs. 1 Nr. 11 SchwarzArbG
  • Bäckerei, Tischlerei, Fleischerei und andere

    Was aufzuzeichnen ist
    gesamte Arbeitszeit, keine Form vorgeschrieben; über 8 Stunden je Werktag 2 Jahre aufbewahren
    Vorschrift
    BAG 1 ABR 22/21, § 16 Abs. 2 ArbZG
  • Minijobber in jedem Gewerk

    Was aufzuzeichnen ist
    Beginn, Ende, Dauer bis zum 7. Kalendertag, 2 Jahre aufbewahren
    Vorschrift
    § 17 Abs. 1 MiLoG

Ausnahmen nach § 1 MiLoDokV für hohe Monatsentgelte und mitarbeitende enge Familienangehörige. Gilt für ein Gewerk ein Branchenmindestlohn, kommt § 19 AEntG hinzu.

Wann die Fahrt zum Kunden Arbeitszeit ist

Beginnt der Tag in der Werkstatt, weil Material, Werkzeug oder Kollegen abgeholt werden, ist die Fahrt von dort zum Kunden und zwischen zwei Kunden Arbeitszeit. Der Beginn ist dann die Zeit auf dem Hof, nicht beim Kunden.

Fährt jemand direkt von zu Hause los, kommt es darauf an. Wer jeden Tag zu anderen Kunden fährt und keinen festen oder gewöhnlichen Arbeitsort hat, etwa im Kundendienst, arbeitet nach dem Europäischen Gerichtshof ab der Abfahrt (Urteil vom 10. September 2015, C-266/14). Wer dagegen wochenlang auf dieselbe Baustelle fährt, hat dort einen gewöhnlichen Arbeitsort, und die Fahrt ist in der Regel Arbeitsweg. Wie die Fahrt bezahlt wird, kann der Arbeits- oder Tarifvertrag gesondert regeln.

Azubis unter 18

Im Handwerk sind viele Auszubildende minderjährig, und für sie gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz statt der Grenzen für Erwachsene: höchstens acht Stunden am Tag und 40 in der Woche (§ 8 JArbSchG), Arbeit nur zwischen 6 und 20 Uhr (§ 14 Abs. 1) und zwölf Stunden Freizeit zwischen zwei Arbeitstagen (§ 13). Der Berufsschultag wird nach § 9 JArbSchG auf die Arbeitszeit angerechnet.

Samstags dürfen Jugendliche grundsätzlich nicht arbeiten (§ 16 Abs. 1 JArbSchG). Die Ausnahmen in Absatz 2 nennen unter anderem Bäckereien und Konditoreien, das Friseurhandwerk und Kfz-Werkstätten, nicht aber Baustellen. Der Samstagseinsatz auf der Baustelle ist für den 17-jährigen Azubi also tabu. Wo Samstagsarbeit erlaubt ist, gibt es dafür einen freien Tag in derselben Woche. In Bäckereien dürfen Jugendliche über 16 ab 5 Uhr arbeiten, über 17 ab 4 Uhr (§ 14 Abs. 2 und 3).

Wie oft der Zoll im Handwerk prüft

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit führt mehrere Handwerke in ihrer Statistik als eigene Branchen, getrennt vom Bauhaupt- und Baunebengewerbe mit seinen 5.514 Arbeitgeberprüfungen. 2025 prüfte sie 1.641 Friseur- und Kosmetiksalons, 468 Betriebe des Elektrohandwerks, 264 des Maler- und Lackiererhandwerks, 174 des Dachdeckerhandwerks und 96 des Gerüstbauerhandwerks. Dazu kamen 15.787, 4.663, 2.055, 1.727 und 1.353 Personenüberprüfungen.

Bei einer Prüfung müssen die Aufzeichnungen auf Deutsch vorliegen, auf Verlangen auch am Ort der Beschäftigung (§ 17 Abs. 2 MiLoG). Der Stundenzettel, der erst am Monatsende aus dem Firmenwagen ins Büro kommt, erfüllt die Sieben-Tage-Frist nicht, wenn er bis dahin leer war.

Arbeitgeberprüfungen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit 2025 in einzelnen Handwerken (Prüfungen)
  • Friseur- und Kosmetiksalons1.641 Prüfungen
  • Elektrohandwerk468 Prüfungen
  • Maler- und Lackiererhandwerk264 Prüfungen
  • Dachdeckerhandwerk174 Prüfungen
  • Gerüstbauerhandwerk96 Prüfungen
Zahlen als Tabelle
Arbeitgeberprüfungen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit 2025 in einzelnen Handwerken
GruppePrüfungen
Friseur- und Kosmetiksalons1.641
Elektrohandwerk468
Maler- und Lackiererhandwerk264
Dachdeckerhandwerk174
Gerüstbauerhandwerk96

Quelle: Zoll, Durchgeführte Prüfungen 2025, Stand 03.01.2026

Zeiten auf den Auftrag buchen

In MetronHR buchen Gesellen und Azubis Beginn, Ende und Pause per App, auch ohne Netz: Die App speichert die Buchung und überträgt sie, sobald wieder Empfang da ist. Jede Zeit lässt sich auf Kunde, Projekt und Leistung buchen, minutengenau und ohne Rundung, sodass die Stunden je Auftrag für die Nachkalkulation da sind. Wer kein Diensthandy hat, stempelt am Terminal in der Werkstatt mit einer NFC-Karte.

Im Professional-Tarif prüft der Einsatzplan die Regeln für Jugendliche mit: das Zeitfenster, die Fünf-Tage-Woche, Samstag und Sonntag. Dazu kommen Ruhezeit und Tageshöchstgrenze für alle. Am Monatsende stehen die Stunden in der Excel-Monatsübersicht und in der Lohndatei für DATEV.

Das ist keine Rechtsberatung, bei einem konkreten Fall im Betrieb fragst du besser jemanden mit Zulassung.

Ugur Aydogan, Produktentwicklung bei der AMNAU GmbH

Herausgeberin: AMNAU GmbH

Redaktionell verantwortlich: Ugur Aydogan, Produktentwicklung.

Zuletzt fachlich geprüft: 2. November 2026

Häufige Fragen

Was uns dazu am häufigsten gefragt wird.

Steht deine Frage nicht dabei? Schritt für Schritt erklärt ist die Bedienung im Hilfezentrum.

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Ist Zeiterfassung im Handwerk Pflicht?

Ja. Seit dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022 gilt sie für jeden Arbeitgeber. Gewerke mit Bauleistungen und das Friseurhandwerk müssen nach § 17 MiLoG zusätzlich Beginn, Ende und Dauer binnen sieben Tagen aufzeichnen.

Reicht ein Stundenzettel auf Papier?

Ja, eine Form ist heute nicht vorgeschrieben. Er muss vollständig sein und in den Gewerken nach § 2a SchwarzArbG spätestens nach sieben Kalendertagen vorliegen. Eine elektronische Pflicht steht bisher nur in einem Referentenentwurf vom 18. Juni 2026.

Ist die Fahrt zur Baustelle Arbeitszeit?

Ab der Werkstatt ja. Von zu Hause zu einer festen Baustelle meist nicht, im Kundendienst mit täglich wechselnden Kunden dagegen schon (EuGH, C-266/14).

Dürfen Azubis unter 18 samstags auf die Baustelle?

Nein. Das Baugewerbe steht nicht in den Ausnahmen des § 16 Abs. 2 JArbSchG. Bäckereien, Friseure und Kfz-Werkstätten dürfen, mit einem freien Tag in derselben Woche.

Muss ein Bäckereibetrieb nach § 17 MiLoG aufzeichnen?

Für Minijobber ja, für die übrigen Beschäftigten nicht, weil Bäckereien nicht in § 2a SchwarzArbG stehen. Die allgemeine Erfassungspflicht und § 16 Abs. 2 ArbZG gelten trotzdem.

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